Dorferneuerungsverein Klein-Pöchlarn | Projekte | Orte zum Verweilen  
   
  ORTE ZUM VERWEILEN
 
   
  CAMP NOSW**  

Katrin Hornek
Ein Projekt im Rahmen der "Orte zum Verweilen" (Realisierung: Frühjahr 2011***)

Projektbeschreibung
Ausgangspunkt der Auseinandersetzung ist die Donaubrücke Pöchlarn. Durch die Verknüpfung des sehr flüchtigen Ortes zwischen Transport- und Freizeitrouten - mit der Autobrücke, Geh- und Fahrradwegen inklusive Radspindel - werden hier unterschiedlichste Geschwindigkeiten und Nutzungsabsichten gebündelt. Natürlicher und die Richtung weisender Motor ist der Wind. Eine symbolische Verbindung der vorherrschenden Elemente - der Brücke und des Windes - bildet der Windsack.

Camp NOSW
Ein Zwei-Mann Zelt wird auf einem Masten, 360° drehbar, befestigt. Es zitiert in seiner Erscheinungsform herkömmlich eingesetzte Windsäcke des Straßenverkehrs. Je nach Windstärke und Windrichtung ändert das Zelt seine Form und Ausrichtung. Der Wind fungiert hier als Motor für Form und Inhalt. Je nachdem von welcher Himmelsrichtung der Wind weht, können Camps (Zeltlager) mit diversen Motiven und Kontexten imaginiert und assoziiert werden, wie: Katastrophencamps, Campingurlaub, Flüchtlingslager, Sommercamps, Survival-Camps, Festivalcamps, Pfadfinderlager, Terroristencamps, Auffanglager, Forschungscamps,....

Camps sind stark durch die Zeit determiniert und liegen an der Schnittstelle zwischen Aufbruch und Ankunft, zwischen Sesshaftigkeit und Mobilität. Sie behausen oft positive wie negative Ausnahmezustände und platzieren sich an Peripherien. Sie verorten sich inhaltlich im Spannungsfeld politischer, militärischer und romantischer Extreme. Durch das wandelbare, sich immer wieder auf- und abbauende Zelt will der Vorschlag einerseits dem starren Ort durch materielle Leichtigkeit entgegenwirken und vorhandene Routen und Geschichten aufgreifen, um sie an globale bzw. tagespolitische Kontexte anzubinden. Andererseits knüpft der Projektentwurf an meine generelle Arbeitsweise und Auseinandersetzungen an, bei der unterschiedlich materialisierte Strukturen (oftmals Architektur) als Projektionsfläche gelten, um lokale und globale Kontexte gesellschaftspolitisch zu vernetzen sowie diese dadurch neu zu verhandeln.* Durch die Themensetzung des Projektes "Orte zum Verweilen" werden die beschriebenen Spannungsfelder zwischen der Örtlichkeit der Skulptur und den Polen Temporalität und Permanenz aufgespannt und reflektiert.

*Stephen Zepke, Exzerpt des Ausstellungstextes zu "Die Weite ist nicht fern", Galerie 5020, 2008. siehe auch: www.katrinhornek.com
** NOSW = Himmelsrichtungen (Nord, Ost, Süd, West)
*** geplanter Eröffnungstermin: 28.5.2011


 

 
  Begehbare Skulptur ERIKA  
von Max Bühlmann

Vom 26. Juni bis zum 6. Juli 2001 fand in Klein-Pöchlarn ein Internationales Symposion unter dem Thema "Orte zum Verweilen" statt. Dieses wurde nach einer Idee von Herbert Golser, der auch die künstlerische Leitung hatte, im Rahmen des 1. Waldviertelfestivals vom Dorferneuerungsverein realisiert.

Durch den Bau des Donaukraftwerkes Melk in den Jahren 1978 " 82 entstand zwischen Ybbs-Persenbeug und Melk-Emmersdorf eine rationell und funktionell geformte Landschaft. Ein Stück wild wuchernder Natur wurde gezähmt, und die immer wieder aus den Ufern getretenen Wassermassen hinter den Dämmen gehalten.

"Künstlerisches Handeln in einer künstlichen Flusslandschaft" war demnach der Leitfaden für die 10 internationalen TeilnehmerInnen, die in der vom Menschen begradigten Uferlandschaft und an dem in seiner formbildenden Eigenschaft beschnittenen Fluss ihre Visionen für diese Landschaft entwickelten.


Von der Kulturabteilung des Landes NÖ - Kunst im öffentlichen Raum wurde schließlich das ursprünglich als Memorial für die Fähre ERIKA gedachte Projekt des Schweizers Max Bühlmann als erstes zur Realisierung ausgewählt.

Für den Orte zum Verweilen - Initiator, den Klein-Pöchlarner Herbert Golser, von dem seit 1998 ein Spiegelobjekt auf der Dammkrone in Höhe des Marktplatzes steht, könnte somit - langfristig gedacht - über Klein-Pöchlarn hinaus ein öffentlicher Raum für Kunst und Kunstaktionen unterschiedlicher Disziplinen am Donauufer entstehen.

Max Bühlmann über seine Arbeit: "Ich freue mich darauf, die erste begehbare Skulptur bauen zu können, die nicht temporär angelegt ist. Wie begehbare Skulpturen benützt werden, überlasse ich den Benützern. Dieser Skulpturbegriff will etwas Vitales zum Ausdruck bringen, nämlich dass sich der Sinn der Skulptur erst durch den Menschen, der durch die Begehung etwas damit anstellt, erfüllt. Man kann darauf liegen, den Schiffsverkehr beobachten, ins Wasser springen, lesen. Zudem kann sie als Flussbühne für Lesungen, Theater und Konzerte bespielt werden. Ein Kunstwerk wie diese begehbare Skulptur ist mit einem Raumerlebnis verbunden. Eine Skulptur, die benutzbar ist, hat einen kommunikativen Wert, macht den Betrachter zum Benützer, macht ihn zum Teil der Skulptur und bindet ihn ein. Die ERIKA ist zwar kein Gesamtkunstwerk, kann aber ihren Teil dazu beitragen."

Nach einer neuen Standortsuche (ursprünglich sollte die Skulptur ERIKA am ehemaligen Anlegeplatz der Donaufähre positioniert werden, nun liegt sie etwas weiter donauabwärts im Ortsgebiet bei Stromkilometer 2044,315 - 2044,325) sowie dem Wasser- und Schifffahrtsrecht geschuldeten Überarbeitungen wurde die schwimmende Skulptur am 27. Juni 2008 der kreativen Nutzung durch ihre BesucherInnen überlassen.

Die technischen Daten von ERIKA, vom Künstler als architektonische Skulptur intentiert: 6 vertikale Balken sind als Sonnennadeln und mit den Auflegern als Sonnenfenster gedacht. Sie bilden einen mit der Sonne wandernden Schatten auf der Plattform. Zusammen mit den Schwimmkörpern, der Brücke, dem Schorbaum und dem Geländer bilden sie die Skulptur als Ganzes.

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